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Rede zum Volkstrauertag 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Heiligabend 1944 trafen die Bomben auch uns hier im Ort. Wie wir alle wissen, starben Mitbürger durch die Bomben, Familienmitglieder, Nachbarn, Freunde und Bekannte.
Der Krieg kam 1944 ganz nah, auch zu uns.

Insgesamt fanden, Schätzungen zufolge, rund 55 Millionen Menschen den Tod, allein im 2. Weltkrieg.

Die bekannten, erschreckenden, aber auch statistischen Zahlen, die die Opfer der Kriege beziffern, bergen die Gefahr in sich, dass man sie nur noch Achselzuckend zur Kenntnis nimmt, und dann zur Tagesordnung übergeht.  Zahlen sind kalt, ungeheuer objektiv, furchtbar sachlich, und daher völlig blutleer.

An Zahlen kann man sich gewöhnen, vor allem als Angehöriger einer Generation, die dies alles nur von Bildern und Erzählungen her kennt, die nur die Berichte gelesen und einiges darüber gelernt hat.

Vor allem junge Menschen besteht die Gefahr, solche Zahlen sehr bald als das zu nehmen, was sie nun einmal sind: nackte und anteilslose Mengenangaben. Ein Maß dafür, dass es halt überall irgendwie schlimm gewesen sein muss.

Was also sollen wir mit Prozentpunkten von Zerstörung anfangen?

Einige von uns können noch davon erzählen, was sich hinter den Zahlen verbirgt,
was es bedeutet,

ständig Angst zu haben,
ausgebombt zu werden,
die Heimat verlassen zu müssen,
mit Sack und Pack, den wenigen Habseligkeiten, die einem geblieben sind, in die Ferne ziehen zu müssen,
um Menschen, die man liebt, im sinnlosen Treiben des Krieges zu bangen, und die Menschen am Ende dann tatsächlich zu verlieren.

Wir gedenken am Volkstrauertag all der Menschen, die durch Krieg und Terror, Gewalt und Diktatur ihr Leben verloren haben.

Wir gedenken derer, die wegen ihrer Überzeugung, ihrer Religion, ihrer Rasse, ihrer sexuellen Orientierung oder einfach nur, weil sie sind, wer sie sind, verfolgt, geschunden und ermordet wurden.

Krieg, Gewalt und Verfolgung sind keine Geißeln des vorigen Jahrhunderts allein. Auch unser noch junges 21. Jahrhundert ist voll von Konflikten, die Leid und Tod über Millionen Menschen bringen. Unsere Welt ist nicht friedlich.

Dieses Gedenken wird Jahr für Jahr wiederholt und Jahr für Jahr wird Krieg und Gewalt verdammt und der Frieden beschworen.

Doch während wir hier stehen, Kränze niederlegen und das Lied vom guten Kameraden hören, werden unverändert weltweit Kriege geführt und Menschen getötet, werden weltweit Menschen wegen ihrer Meinung und Freiheitssuche verfolgt, verhungern in diesen Minuten Kinder, basteln Terroristen Bomben.

Täglich erreichen uns Berichte und Bilder von menschlichen Tragödien, die Leben kosten. Wir wissen um die Macht dieser Bilder, die zugleich eine Ohnmacht offenlegt. Wir dürfen nie vergessen: Hinter jedem Opfer steht eine persönliche Geschichte. Jedes Opfer wird vermisst.

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